News

Latente Technik-Talente beim Projekt „JugendTechnikSchule“

Drei Arbeitstage tauschten sechs Konrad-Adenauer-Schüler die Schulbank gegen den Ernst des Lebens

Bruchsal (tw). Sie heißen Dustin, Robin, Armir, Steven, Sven, Olcay und Okan, gehen in die Klassen 8 und 9 der Konrad-Adenauer-Schule (KAS), sind „Multikulti“ wie das Fußball-Nationalteam und die Zukunft der Wirtschaftsregion Bruchsal. Ihre Angstgegner sind die Fächer Mathematik und Physik. Und die deutsche Rechtschreibung. Eben ganz normale Jungs. Vom 21. bis 23. Juni tauschten sie erstmals im Rahmen des Projekts „JugendTechnikSchule“ (JTS) freiwillig die Schulbank quasi gegen die Werkbank. Die potenzielle persönliche Entscheidung am Ende des zweieinhalbtägigen Betriebsworkshops: ein betriebliches Praktikum mit anschließender Ausbildung – oder der weitere Schulbesuch.


Das Sextett hatte sich für ein Praktikum bei der Stadtwerke Bruchsal GmbH (SWB), und hier bei deren Energiedienstleister, der Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH (ewb), entschieden, um den Ausbildungsbetrieb Stadtwerke im Allgemeinen und den Ausbildungsberuf Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik im Besonderen kennenzulernen. Am ersten Tag marschierten sie zu Fuß in Begleitung von Nicole Burg, Projektleiterin der Regionalen Wirtschaftsförderung Bruchsal (WFG), und Ulrich Volz, Leitungsassistent und Fachabteilungsleiter Theater der Musik- und Kunstschule Bruchsal (MuKs), von der KAS in die Schnabel-Henning-Straße 1a. Dort wurden sie von Rita Rauch, SWB-Abteilungsleiterin Personalwesen, Corinna Meinel, SWB-Ausbildungsbeauftragte, Dragan Pavlovic, Ausbilder der Elektroniker, und Auszubildenden empfangen. Letzte stellten ihnen den Unternehmensverbund Stadtwerke vor und neben dem Elektroniker die weiteren SWB-Ausbildungsberufe mit Zukunft: den Industriekaufmann, den Informatikkaufmann und den Fachangestellten für Bäderbetriebe.


Nach dem ersten Kennenlernen gaben sich die Schüler noch sehr einsilbig. Fragen nach ihrem ersten Eindruck beantworteten sie relativ wortkarg mit „cool“, „interessant“, „ungewöhnlich“ und „aufgeregt“. Als Dragan Pavlovic ihnen erzählte, dass er vor 20 Jahren dieselbe Situation erlebt hatte, am ersten Tag auch für ihn alles nicht minder aufregend war, er nach seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung jahrelang als Monteur gearbeitet hatte, sich an der Abendschule zum Techniker weiterbildete, seit sechs Jahren schließlich selbst Ausbilder ist, und der Betriebsworkshop „JTS“ auch für ihn und die SWB Neuland bedeute, war die Aufregung verflogen. Er erklärte ihnen, dass neben Bernhard Specht, einem erfahrenen Monteur und gleichzeitig Ersthelfer, vier Azubis ihren Einsatz betreuten.

Im Rahmen des theoretischen Teils des Workshops lernten die Praktikanten, dass sie auch Pflichten haben, wie beispielsweise die Arbeitssicherheit durch geeignete Maßnahmen und Verhaltensweisen zu unterstützen. Daher wurden alle von der SWB mit Sicherheitsschuhen, Warnwesten, Arbeitshandschuhen und Kopfbedeckungen zum Schutz gegen die Sonne ausgestattet. Mineralwasser in PET-Flaschen gab es gratis dazu. Nach einer Betriebsbesichtigung und einer Pause erfolgte eine Begehung des Einsatzortes für die kommenden zweieinhalb Tage, des kombinierten Rad-Fußwegs Werner-von-Siemens-Straße, am gleichnamigen Kreisel. Der ist mit einem Geländer versehen, unter dessen Handlauf insgesamt 89 Leuchtstoffröhren den Weg beleuchten. Sie galt es, gegen moderne, erheblich sparsamere LED-Tubes auszutauschen. So mussten jeweils zwei Praktikanten, die sich einen Azubi „teilten“, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl Schellen und manchmal festsitzende Schrauben lösen, Abdeckungen demontieren und reinigen, Kabel abklemmen, die Leuchtstoffröhren sachgemäß entsorgen, gegen LED tauschen, wieder anschließen, die Abdeckung anbringen und am Ende des Tages die LED auf ihre Funktion prüfen. Das sollte ihnen einen ersten Eindruck vom Beruf des Elektronikers vermitteln. Bisher mussten die Röhren alle vier Jahre ausgetauscht werden. Die LED-Tubes haben eine Lebensdauer von rund 12 Jahren, Wartungsintervalle entfallen laut Hersteller. Statt 36 Watt kommen sie mit 21 Watt aus, was den Stromverbrauch deutlich reduziert.


Die sengende Hochsommersonne der zweiten Juni-Hälfte mit rund 34°C und die Erwartung, dass ein Elektroniker so gut wie das ganze Jahr draußen unterwegs ist, schreckte die Schüler nicht ab, eher die Gewissheit, dass sie während der Ausbildung Berichtshefte über den Tagesablauf in leserlicher Normschrift und möglichst fehlerfrei führen müssen. Tag eins endete gegen 12:30 Uhr. Tag zwei begann um 8:00 Uhr bei den Stadtwerken. Zunächst noch etwas langsamere Arbeitsvorgänge wurden mit Gewöhnung an das Werkzeug und das Material und einer größeren Vertrautheit mit den Abläufen bald schneller. Waren sich die Azubis und die Praktikanten anfangs noch fremd im Umgang miteinander, freundeten sie sich schnell an und arbeiteten gut als Team. Obwohl der Strom aus Sicherheitsgründen abgeschaltet war, standen alle unter Strom ob der „sportlichen“ Zielsetzung. In der ersten Mittagspause antwortet einer der verbliebenen fünf Praktikanten auf die Frage nach seinem Befinden sichtlich erschöpft, ein wenig geistesabwesend und ziemlich enttäuscht: „Wir sind nicht fertig geworden“! Tag zwei endet um 14:30 Uhr, Tag drei wieder etwas früher, um 13:30 Uhr. Nach der Mittagspause treffen sie sich zur Feedbackrunde.


Fazit: Die Schüler sind geschafft, aber glücklich. Vier der fünf hat ihr Praktikum „gut gefallen“, sie fanden es „voll cool, dass die Azubis sich korrekt verhalten haben“, es hat ihnen „Spaß gemacht zu arbeiten“, sie haben „viel Neues gelernt“. Einer hingegen stellte fest: „So viel Spaß hat es jetzt nicht gemacht, Schule ist besser für mich!“ Er möchte zunächst lieber die Mittlere Reife machen. Zwei sind sich sicher, dass sie sich bei der ewb um einen Ausbildungsplatz bewerben werden, zwei „können sich vorstellen, ein Praktikum zu machen“. Nicole Burg, die das Projekt hautnah miterlebt hat, war voll des Lobes: „Die Organisation war supertoll, die Arbeiten erfolgten auf Augenhöhe. Die Praktikanten haben teilweise bereits selbstständig gearbeitet, man konnte klar eine Entwicklung erkennen! Die Motivation des Arbeitseinsatzes war, den ersten Abschnitt zu beenden. Die LED-Tubes leuchten zu sehen, war eine schöne Bestätigung.“ Ausbilder Dragan Pavlovic war am Ende stolz auf das Teamwork der Jungs und seiner Azubis: „Ich fand es gut, wie Ihr mitgearbeitet habt. Mit jeder getauschten LED wurdet Ihr schneller. Am Ende habt Ihr 45 der 89 Leuchtstoffröhren aus und dafür LED-Tubes eingebaut. Ihr könnt auch auf Euch stolz sein!“ Ulrich Volz resümierte: „Ich fand es schön zu sehen, wir Ihr als Team funktioniert, Euch abgesprochen, aufeinander gewartet und Euch zugearbeitet habt. Man hat Euch die Freude angesehen!“


 


Nach zweijähriger Planung sind 2017 die Projektphasen von „JugendTechnikSchule“ angelaufen. Projektpartner im ersten Jahr waren die Bundesagentur für Arbeit Bruchsal, die MuKs, die WFG, die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten, die Stadt und die Stadtwerke Bruchsal sowie die KAS. Wer sich bei den Stadtwerken um ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz bewerben möchte, schickt seine Bewerbung bitte an: bewerbung@ewb-bruchsal.de.


Weitere Infos zu den Projektpartnern finden Sie unter:
www.stadtwerke-bruchsal.de

www.muksbruchsal.de

www.arbeitsagentur.de

www.stiftung-der-volksbank-bruchsal-bretten.de


[zurück...]
Konzeption & Gestaltung: Artbox - Agentur f. Kommunikation und Design |  Umsetzung: egghead Medien GmbH