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Weihnachtspost an Kunden kann raus - trotz neuem Datenschutz

30 Unternehmen der Region informieren sich aus erster Hand über die neuen Regeln im Umgang mit Daten

Viele Firmen verschicken dieser Tage ihre Weihnachtspost. Aber halt: Geht das überhaupt noch? Sind Grüße zu den Feiertagen heuer womöglich nicht mehr datenschutzkonform? Müssten Kunden, mit denen seit Jahren kein Geschäftskontakt mehr besteht, nicht aus dem Verteiler gelöscht werden? Diese und viele weitere praktische Fragen wurden im jüngsten Fachseminar der Regionalen Wirtschaftsförderung Bruchsal zum Thema Datenschutz beantwortet.

Im Mai dieses Jahres trat die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. 30 Mitgliedsunternehmen aus den Gewerbevereinen der Region trafen sich am Donnerstag, 29.11.2018, in den Räumen der Volksbank Bruchsal-Bretten eG, um sich auf den neuesten Stand zu bringen.

„Die erste Hysterie hat sich mittlerweile gelegt, und die anfangs befürchtete Abmahnwelle blieb aus“,“ eröffnete Walter Bantleon seinen Vortrag. Der Rechtsexperte der Handwerkskammer Karlsruhe zeigte auf, wie Firmen „in sieben Schritten zur DSGVO gelangen“. Mit Checklisten und Mustervorlagen gab er konkrete Hilfestellungen, sodass auch kleine Unternehmen die neuen gesetzlichen Regelungen mit überschaubarem Aufwand einhalten können. Dazu zähle ein Text-Generator, der für die eigene Homepage den nun vorgeschriebenen Datenschutzhinweis automatisch konfiguriert.

Etwas weniger Vorkehrungen müssen kleinste Betriebe treffen: Ein eigener Datenschutzbeauftragter ist erst Vorschrift, wenn mehr als zehn Mitarbeiter mit personenbezogenen Daten arbei-ten. „Das Smartphone und Tablet-PC auf der Baustelle zählt nicht dazu“, teilte Bantleon mit. Viele Handwerker könnten also aufatmen, was diesen Punkt betrifft.

Entwarnung gab er indes nicht: Die erste Strafzahlung in Deutschland wurde vor wenigen Tagen an eine Karlsruher Firma verhängt – und das in fünfstelliger Höhe. „Zurücklehnen und Abwarten geht auf keinen Fall“, sagte Bantleon.

„Viele Unternehmen sind noch total verunsichert. Andere wiederum treffen aufwändige IT-Vorkehrungen, übersehen aber ganz banale und analoge Datenschutzlücken. „Der offene Mülleimer im Kopierraum ist der Klassiker“, so Bantleon. Aber auch E-Mails an mehrere Adressaten sollten Firmen in der Regel als Blindkopien verschicken.

Unternehmen müssen dokumentieren, welche Daten von wem gespeichert werden, wann sie gelöscht werden. „Seit der neuen Datenschutzverordnung ist ein solches Verzeichnis absolute Pflicht für alle Betriebe, egal wie groß und egal aus welcher Branche“, so Bantleon.

Für deutsche Firmen sei die Umstellung noch recht einfach. Der neue europäische Datenschutz basiert auf den früheren deutschen Regeln. „Eigentlich sind nur zirka 10 Prozent wirklich neu. Deutlich schwerer haben es da irische oder italienische Mitbewerber.“

Für Volker Gaa, Vorstandsmitglied der Volksbank Bruchsal-Bretten eG, haben Datenschutz und IT-Sicherheit höchste Priorität, erläuterte der Hausherr bei seiner Begrüßung.

„Ein gelungenes Beispiel für das Zusammenlegen von Kräften“ sah Nicole Burg in der Veranstaltung. Sie kündigte an, die WFG werde 2019 weitere Veranstaltungen exklusiv für Gewerbevereinsmitglieder anbieten.

Und schließlich gab es auch Entwarnung für die Weihnachtsbo-ten. Der oberste Datenschützer des Landes hat Weihnachtskarten und Kundenpräsente kürzlich als „DSGVO-konform“ erklärt – wenn gewisse Dinge beachtet werden.


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