Die regionale Wirtschaft folgt weiter ihrem Aufwärtstrend. Im Branchendurchschnitt ist der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, von 125 Indexpunkten im Frühsommer auf 136 Punkte im Herbst 2021 angestiegen. Diesen Wert erreichte er zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Der Index übertrifft damit den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre bereits wieder um 8 Punkte. Beide Teilkomponenten haben zur Stimmungsbelebung beigetragen.

Gute Stimmung

Trotz teilweiser Lieferengpässe und hoher Rohstoffpreise – sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen an die kommenden zwölf Monate haben sich in der Region insgesamt verbessert. In der Industrie blieb die Stimmung nahezu unverändert. In den übrigen Wirtschaftszweigen hat sich das Geschäftsklima weiter aufgehellt. Auch im Gastgewerbe, das der Erholung nicht zuletzt durch eklatanten Personalmangel immer noch deutlich hinterherhinkt, ist eine gewisse Zuversicht zurückgekehrt. Am Arbeitsmarkt stabilisieren sich die Aussichten und auch der Investitionsmotor läuft wieder in einer höheren Drehzahl.
IHK-Präsident Wolfgang Grenke gibt jedoch zu bedenken, dass die Konjunktur noch lange kein Selbstläufer sei. „Auch wenn Lage und Erwartungen derzeit schon wieder auf einem erfreulichen Niveau sind, ist die Konjunktur noch nicht über den Berg. Die anhaltenden Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen sorgen für Sand im Getriebe. Sie treffen die unterschiedlichsten Branchen, auch die, bei denen man es zunächst nicht vermutet“, macht Grenke deutlich. Ein schnelles Ende der Materialknappheit sei nicht in Sicht. „Gut gefüllte Auftragsbücher sind daher derzeit kein Garant für künftige Unternehmenserfolge. Die derzeit hohen Einkaufspreise und Logistikkosten, die nicht in jedem Fall weitergegeben werden können, drücken auf die Margen der Betriebe“, sagt Grenke. Nicht zu unterschätzen sei auch die Unsicherheit vor einer weiteren Corona-Welle mit möglichen Beschränkungen in den Wintermonaten.
Im Branchendurchschnitt hat die Zufriedenheit mit der Geschäftslage im Herbst 2021 nochmals zugenommen. 52 % der Unternehmen melden gut laufende Geschäfte. Weitere 40 % der Betriebe berichten von einer zufriedenstellenden Gesamtsituation. Der Anteil der Unternehmen mit unbefriedigendem Geschäftsverlauf hat sich um 9 Prozentpunkte auf 8 % verringert. Somit hat sich der Geschäftslagesaldo um 14 Punkte auf aktuell 44 Punkte erhöht. Auch wenn manche Branchen noch längerfristig unter den Pandemiefolgen leiden werden, die großen Wirtschaftsbereiche befinden sich per Saldo weiterhin im Plus, haben teilweise deutlich zugelegt. Das von den Pandemiebeschränkungen stark getroffene Gastgewerbe ist trotz allmählicher Verbesserung der Lage von einer breiten Erholung noch weit entfernt.

Optimistische Erwartungen

Die Unternehmen haben die Erwartungen an die kommenden zwölf Monate im Branchendurchschnitt weiter hochgeschraubt. Der Anteil der Optimisten ist im Herbst 2021 von 34 % auf 37 % angestiegen. Weitere 55 % der Betriebe gehen von einem konstanten Geschäftsverlauf aus.Gleichzeitig ist der Anteil der Skeptiker um 6 Prozentpunkte auf 8 % zurückgegangen. Während im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige der Fachkräftemangel auf der Skala potentieller Geschäftsrisiken auf dem Weg aus der Corona-Krise wieder ganz nach oben gerückt ist, sehen die Industrie und die Bauindustrie die globalen Material- und Lieferengpässe und die damit einhergehende Erhöhung der Rohstoffpreise als größtes Geschäftshemmnis an.

Positive Beschäftigungs- und Innovationspläne

Die Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt verbessert sich seit Jahresbeginn von Monat zu Monat. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt kontinuierlich. Im Herbst 2021 plant im Branchendurchschnitt mehr als jeder vierte Betrieb in den kommenden zwölf Monaten Neueinstellungen. Der Anteil der Betriebe, die ihre Personalkapazitäten voraussichtlich reduzieren müssen, ist von 19 % im Frühsommer auf aktuell 11 % zurückgegangen. Lediglich die Industrie und das Hotel- und Gaststättengewerbe zeigen sich mit weiteren Stellen zurückhaltend.
Die im Frühsommer diesen Jahres zu erkennende allmähliche Zunahme der Investitionsbereitschaft hat sich in den Herbst 2021 hinein fortgesetzt. Der Investitionssaldo kletterte von 1 Punkt auf aktuell 11 Punkte. Nach derzeitigem Planungsstand wollen 32 % der Betriebe in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren. 47 % der Unternehmen möchten die Investitionsausgaben in der nächsten Zeit konstant halten. 12 % der Betriebe wollen ihre Investitionsbudgets (weiter) reduzieren, 9 % werden komplett auf Investitionen verzichten. Die Investitionspläne zielen nach wie vor hauptsächlich auf die Ersatzbeschaffung (59 %). Etwa jeder zweite Betrieb will die unternehmensinterne Digitalisierung weiter vorantreiben. Investitionen in Produkt- oder Prozessinnovationen haben 44 % der Unternehmen auf der Agenda. 32 % der Betriebe wollen expandieren oder die bestehende Produktionpalette erweitern. Genauso hoch ist der Anteil der Unternehmen, die in Umweltschutz und Energieffizienz investieren wollen. 28 % der Unternehmen denken über weitere Rationalisierungsmaßnahmen nach. Mehrfachnennungen waren möglich.

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Quelle: IHK Karlsruhe